Ronys Bibelecke

Ronys Bibelecke - Die etwas andere Bibelkunde

Kirchliche Würdenträger beklagen sich häufig - und das zu Recht - über die mangelhaften Bibelkenntnisse der österreichischen Bevölkerung. Wir möchten daher mit Ronys Bibelecke unseren Beitrag zur Vermehrung des Bibelwissens leisten. Da dessen Vermittlung nicht ausschließlich in den Händen von Pfarrern, Bischöfen oder Bibelforschern wie den Zeugen Jehovas liegen soll, wird der Althistoriker Ronald Bilik unseren Lesern die Inhalte des Buches der Bücher näher bringen. Ob seine Tätigkeit die Verbreitung des Glaubens fördern wird, ist allerdings zweifelhaft. Wir wollen unseren Lesern aber auch keinen Glauben im Sinn von Nichtwissen vermitteln, sondern einen wissenschaftlich fundierten, aber dennoch humorvollen Einblick in die Welt der Bibel bieten. Aus diesem Grund zitieren wir an dieser Stelle ausgewählte Bibelstellen, die von unserem Experten – nach den oben festgelegten Kriterien - kommentiert werden.

 

 

 Jahwe zeigt dem auserwählten Volk seine Wertschätzung (Ex. 33, 3-5)

 

(Es spricht Jahwe:) Ich sende einen Engel, der dir vorangeht, und ich vertreibe die Kanaaniter, Amoriter, Hetiter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. In ein Land, in dem Milch und Honig fließen, wirst du kommen. Ich selbst ziehe nicht in deiner Mitte hinauf, denn du bist ein störrisches Volk. Es könnte sonst geschehen, dass ich dich unterwegs vertilge. Als das Volk diese Drohung hörte, trauerten sie, und keiner legte seinen Schmuck an. Da sprach der Herr zu Mose: Sag zu den Israeliten: Ihr seid ein störrisches Volk. Wenn ich auch nur einen einzigen Augenblick mit dir zöge, müsste ich dir ein Ende machen. Jetzt aber leg deinen Schmuck ab! Dann will ich sehen, was ich mit dir tun kann.

 

Kommentar:

Jahwe erweist sich hier wieder einmal als besonders liebenswürdiger Zeitgenosse. An gehässiger Arroganz ist diese Aussage wirklich schwer zu überbieten. Diesen Gott muss man doch einfach lieb haben!

 

 

Apokalyptische Gewaltfantasien (Jes. 34, 1-18)


Kommt her, ihr Völker, und hört, horcht auf, ihr Nationen! Die Erde und alles, was sie erfüllt, die Welt und alles, was auf ihr sprosst, sollen es hören, dass der Herr über alle Völker erzürnt ist, dass er zornig ist auf all ihre Heere. Er hat sie dem Untergang geweiht und zum Schlachtopfer bestimmt. Die Erschlagenen wirft man hinaus, der Gestank ihrer Leichen steigt auf, die Berge triefen von ihrem Blut, alle Hügel zerfließen. Wie eine Buchrolle rollt sich der Himmel zusammen, sein ganzes Heer welkt dahin, wie Laub am Weinstock verwelkt, wie Früchte am Feigenbaum schrumpfen. Am Himmel erscheint das Schwert des Herrn. Seht her, es fährt auf Edom herab, auf das Volk, das der Herr im Gericht dem Untergang weiht. Das Schwert des Herrn ist voll Blut, es trieft von Fett, vom Blut der Lämmer und Böcke, vom Nierenfett der Widder; denn der Herr hält in Bozra ein Opferfest ab, ein großes Schlachtfest in Edom. Da fallen die Büffel und Kälber, die Stiere und Ochsen. Ihr Land wird betrunken vom Blut, ihr Erdreich ist getränkt von Fett. Denn der Herr hat einen Tag der Rache bestimmt, ein Jahr der Vergeltung für den Streit um Zion. In Edoms Bächen wird das Wasser zu Pech, sein Boden verwandelt sich in Schwefel, sein Land wird zu brennendem Pech. Es erlischt nicht bei Tag und bei Nacht, der Rauch steigt unaufhörlich empor. Das Land ist für Generationen verödet, nie mehr zieht jemand hindurch.


Kommentar:

Die den Israeliten feindlich gesinnten Edomiter stehen hier stellvertretend für das prophezeite Endgericht über die Welt. Der Text erklärt im folgenden (35, 1-10) die Wonnen des nun erwarteten messianischen Heils. Gerade solche apokalyptischen Gewaltverherrlichungen inspirierten die frühen Christen bezüglich der Ausgestaltung der Endzeit sowie hinsichtlich der Höllenvorstellungen (vgl. etwa die Apokalypse des Johannes).

 

 

Peinlich aber wahr: Trotz “unglaublicher“ Wunder keine Anhänger! (Mt. 11,20-24)

 

Dann begann er (Jesus) den Städten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, Vorwürfe zu machen, weil sie sich nicht bekehrt hatten: Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind - man hätte dort in Sack und Asche Buße getan. Ja, das sage ich euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie euch. Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wenn in Sodom die Wunder geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute. Ja, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dir.

 

 

Kommentar:

Diese Passage zeigt – unabhängig vom gesunden Menschenverstand, der zum gleichen Ergebnis kommen muss – dass die Wunder, die im Evangelium beschrieben sind, reine Erfindungen darstellen. Es gab also weder Wunderheilungen, unglaubliche Massenauspeisungen oder gar Totenerweckungen. Hier zeigt Jesus seine Wut über die Ablehnung der jüdischen Bevölkerung in seiner unmittelbaren Heimat (Kafarnaum am See Genezareth war seine Wahlheimat, bei Chorazin und Betsaida handelt es sich um unbedeutende Siedlungen in der Nachbarschaft Kafarnaums). Fassen wir zusammen: Jesus war als Wanderprediger nur in wenig bedeutenden Ansiedlungen aktiv, wo er trotz angeblicher Wunder keine Anhänger fand. Immerhin scheint es ihm dort aber immer noch besser gegangen zu sein als in seinem Geburtsort Nazareth, wo er überhaupt kein Wunder bewirken konnte (Mk. 6, 5). Interessant auch der Umstand, dass keine einzige Predigt aus der Hauptstadt der Region (Sepphoris, die Stadt liegt nur 6 km nördlich von Nazareth!) überliefert ist. Da die Bewohner dieser Stadt als ausgesprochen romfreundlich galten, wäre Jesus mit seiner antirömischen Messiasideologie dort auch kaum erfolgreich gewesen. Ein Auftritt in dieser Metropole hätte für ihn auch fatale Konsequenzen haben können. Bezeichnend ist hier auch die viel gepriesene Güte des Heilands. Wer nicht glauben will, muss bei der bald hereinbrechenden Apokalypse mit fürchterlichen Konsequenzen rechnen.

 

 

 

Das Lied des Mose (Deut. 32, 41-47)

 

Habe ich erst die Klinge meines Schwertes geschliffen, um das Recht in meine Hand zu nehmen, dann zwinge ich meinen Gegnern die Strafe auf und denen, die mich hassen, die Vergeltung. Meine Pfeile mache ich trunken von Blut, während mein Schwert sich ins Fleisch frisst - trunken vom Blut Erschlagener und Gefangener, ins Fleisch des höchsten feindlichen Fürsten. Erhebt das Sieges-geschrei, ihr Himmel, zusammen mit ihm, werft euch vor ihm nieder, ihr Götter! Denn er erzwingt die Strafe für das Blut seiner Söhne und entsühnt das Land seines Volkes. Dann kam Mose zum Volk und trug ihm das Lied in seinem vollen Wortlaut vor, er und Josua, der Sohn Nuns. Als Mose damit zu Ende war, alle diese Worte vor ganz Israel vorzutragen, sagte er zu ihnen: Schenkt allen Bestimmungen eure Beachtung. Heute beschwöre ich euch: verpflichtet eure Kinder, dass auch sie auf alle Bestimmungen dieser Weisung achten und sie halten. Das ist kein leeres Wort, das ohne Bedeutung für euch wäre, sondern es ist euer Leben. Wenn ihr diesem Wort folgt, werdet ihr lange in dem Land leben, in das ihr jetzt über den Jordan hinüberzieht, um es in Besitz zu nehmen.


Kommentar:

Die Israeliten schicken sich hier an, das gelobte Land zu erobern. Da - wie Karl Kraus es formuliert hat - Kriege und Geschäftsbücher mit Gott geführt werden, war es ratsam, auch diese widerrechtliche Aneignung des Landes, inklusive der Ermordung und Versklavung der einheimischen Bevölkerung, göttlich legitimieren zu lassen. Dieser Gott ist die typische Erfindung nomadisierender Stämme, die sich mit diesem Konstrukt ihre barbarischen Handlungen metaphysisch absegnen lassen. Hier zeigt sich auch, wie religiös motivierte Gewaltbereitschaft kommunziert und den nächsten Generationen weitervererbt wird. Passagen wie diese machen ebenso die Position ultrakonservativer Rabbis im Nahostkonflikt deutlich.

 

  

Samuel handelt gottesfürchtig (1.Sam.15, 30-35)


Einleitung

Der Richter Samuel erhält von Jahwe den Befehl, König Saul mit der Bestrafung der Amalekiter zu beauftragen (3 Darum zieh jetzt in den Kampf, und schlag Amalek! Weihe alles, was ihm gehört, dem Untergang! Schone es nicht, sondern töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel!). Sauls Truppen töten zahlreiche Angehörige dieses Stammes, schonen allerdings das wertvolle Vieh und auch Agag den König der Amalekiter, den sie lebend gefangen nehmen. Jahwe ist erzürnt über den Ungehorsam von Saul und betraut Samuel mit dessen Maßregelung und Absetzung.


Saul erwiderte: Ich habe gesündigt; erweise mir aber jetzt vor den Ältesten des Volkes und vor Israel die Ehre, mit mir zurückzukehren, damit ich den Herrn, deinen Gott, anbete. Da kehrte Samuel um und folgte Saul, und Saul betete den Herrn an. Darauf sagte Samuel: Bringt Agag, den König von Amalek, zu mir! Agag wurde in Fesseln zu ihm gebracht und sagte: Wahrhaftig, die Bitterkeit des Todes ist gewichen. Samuel aber erwiderte: Wie dein Schwert die Frauen um ihre Kinder gebracht, so sei unter den Frauen deine Mutter kinderlos gemacht. Und Samuel hieb vor den Augen des Herrn in Gilgal Agag in Stücke. Dann ging Samuel nach Rama, und Saul zog hinauf in sein Haus nach Gibea-Saul. Samuel sah Saul vor dem Tag seines Todes nicht mehr. Samuel trauerte um Saul, weil es den Herrn reute, daß er Saul zum König über Israel gemacht hatte.


Kommentar:

Wenn Jahwe die vollständige Vernichtung eines Volkes und seines Besitzes fordert, hat der wahre Gläubige diese Forderungen ohne humanitäre Verwirrungen zu erfüllen.

 

 

Paulus bekämpft jüdische Vorstellungen (Tit. 1,10-16)

 

Denn es gibt viele Ungehorsame, Schwätzer und Schwindler, besonders unter denen, die aus dem Judentum kommen. Diese Menschen muß man zum Schweigen bringen, denn aus übler Gewinnsucht zerstören sie ganze Familien mit ihren falschen Lehren. Einer von ihnen hat als ihr eigener Prophet gesagt: Alle Kreter sind Lügner und faule Bäuche, gefährliche Tiere. Das ist ein wahres Wort. Darum weise sie streng zurecht, damit ihr Glaube wieder gesund wird. Das ist ein wahres Wort, wörtlich: Dieses Zeugnis ist wahr und sie sich nicht mehr an jüdische Fabeleien halten und an Gebote von Menschen, die sich von der Wahrheit abwenden. Für die Reinen ist alles rein; für die Unreinen und Ungläubigen aber ist nichts rein, sogar ihr Denken und ihr Gewissen sind unrein. Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn; es sind abscheuliche und unbelehrbare Menschen, die zu nichts Gutem taugen.


Kommentar:

Bereits am Anfang des Christentums gab es grundlegende Meinungsverschiedenheiten über die wahre Lehre. Paulus fordert die Häretiker zum Schweigen zu bringen, und es dauert nicht lange bis die Christen sich gegenseitig umbringen.